Hurra!

Nächste Woche gibt es druckfrische Bücher!
Bestellt werden kann beim Verlag schon jetzt (Klick auf das Cover).
Natürlich dann auch bei Amazon etc. oder der Buchhandlung Eures Vertrauens.

Roman

Ich möchte mich noch einmal ganz doll bei Euch allen bedanken, denn ohne Eure Unterstützung hätte ich das Buch wahrscheinlich nie zu Ende geschrieben.
Nun möchte ich Euch noch einmal um Hilfe bitten: Es wäre wirklich sehr sehr wichtig für das Buch, wenn nach Erscheinen des Romans der eine oder andere, der hier gerne mitgelesen hat, bei Amazon einen freundlichen Satz über die Geschichte schreiben würde. Natürlich nur, wenn Euch auch das fertige Buch gefällt…

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Sachstand und Einladung

Auch wenn auf diesem Blog gerade nichts geschieht, so passiert doch in Wirklichkeit eine ganze Menge. Das Buch besitzt bereits eine ISBN-NR. Es sind schon viele viele Fehler und Holpriges aus dem Manuskript entfernt und an anderer Stelle Ergänzungen gemacht worden. Der Verleger wird dem Ganzen nun noch den letzten Schliff verleihen – vielen Dank an ihn. Das Cover steht noch nicht fest, aber es liegen vielversprechende Entwürfe vor. Der Roman wird wie geplant im September erscheinen.
Wer Lust hat, kann inzwischen bei der Entstehung eines neuen Romans
hereinschnuppern, und zwar
HIER

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Wie es weitergeht

Zum eigentlichen Anfang des Blogs und damit der Geschichte geht es HIER.

Wie es nach Kapitel 20 weitergeht können interessierte Leser im September 2010 erfahren, denn dann erscheint dieser Roman im Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.
Die Geschichte begann als Blog und ich bin allen Lesern sehr dankbar für ihre hilfreichen Kommentare und Ermutigung. Ohne sie wäre das Buch vielleicht nie entstanden.
Nun hoffe ich, dass auch das Buch viele Leser findet und die Geschichte dadurch lebendig bleiben darf.
Die Kapitel 1 – 20 bleiben hier als Leseprobe online. Die anderen mußte ich entfernen und habe nur die Kommentare stehen lassen.
Neues über das Buch und Infos über die Veröffentlichung werden hier zu gegebener Zeit zu finden sein.
Geschrieben habe ich hier unter dem Nick „Finn“. Mein wirklicher Name ist Patricia Koelle, und mein Hauptblog findet sich hier. Auch dort wird vom Fortschritt des Buches gelegentlich etwas zu erfahren sein, außerdem gibt es Gedichte, Bilder, Geschichten und Gedanken.
Wer diese Geschichte gern gelesen oder hineingeschnuppert hat, dem gefällt vielleicht auch mein Buch „Die Füße der Sterne.“

Schön, dass Ihr hier seid!
Frühlingsgrüße,
Patricia Koelle
Hier gibt es noch meine Homepage

Kapitel 9 – Den Himmel in der Hand

Jono und ich legten eine Ideenschatzkiste an, eine kleine, mit altmodischen Blumen bemalte Holztruhe, in die wir gefaltete Zettel legten. Darauf schrieben wir, ehe wir sie in der Alltagseile wieder vergessen konnten, alle spontanen Ideen von Dingen, die wir zusammen machen wollten. Ein Picknick, Drachen steigen lassen, die Sternwarte besuchen, das Meer sehen, einen Vulkan besteigen, ach, es gab so vieles. Immer, wenn wir Zeit hatten, fischten wir einen Zettel heraus, aber die Kiste füllte sich schneller als wir sie leeren konnten.

Geburtstage wurde in meiner Familie zwar, wenn nicht vergessen, pflichtschuldigst mit Kuchen und ein paar Geschenken zur Kenntnis genommen, aber niemals für wichtig erachtet. „Geboren zu werden ist kein Verdienst“, sagte meine Mutter. Ich gab ihr recht, und Partys mochte ich sowieso nicht. Doch Jono sah das völlig anders. Für ihn hatten Geburtstage eine gewaltige Bedeutung. Der Weltuntergang selbst hätte ihn nicht davon abgehalten, sie mit Besuch, Essen, Karten, Anrufen, Geschenken und Dekoration zu zelebrieren. „Man muss doch feiern, dass man lebt!“
Ehe ich wusste, wie mir geschah, hatte er zu meinem dreißigsten Geburtstag Freunde eingeladen. Es war ein erst sonniger, dann aufregend gewittriger Augusttag und es wurde gegrillt, gelacht, gesungen und gespielt. Zu meiner Überraschung fühlte ich mich wohl unter diesen fremden Leuten, zu denen ich wie selbstverständlich gehörte.
Von Jono bekam ich unter anderem zwei längliche, liebevoll eingewickelte Päckchen. Wegen des Trubels kam ich nicht gleich dazu, sie auszupacken, bis Jono mich in eine stille Ecke lockte. Neugierig öffnete ich das eine. Darin war eine Zahnbürste.
Das zweite enthielt einen Hausschlüssel.
Ich glaube, das waren die beiden schönsten Geburtstagsgeschenke, die ich jemals bekommen habe.

Die Sommerferien begannen und ich verabschiedete mich von Alina. Mein Vertrag lief aus, ich war mir aber ziemlich sicher, dass sie im nächsten Schuljahr wieder allein dem Unterricht folgen konnte. Ob ich bald einen neuen Auftrag bekommen würde, blieb abzuwarten. Auch die Nachmittagskinder hatten Fortschritte gemacht und durften ihre Ferien genießen.
Jono nahm sich Urlaub und wir verwandelten einige der Wunschzettel aus der Schatzkiste in Erlebnisse, dann in kostbare Erinnerungen. Erst blieb ich eine halbe Woche bei ihm, dann eine ganze. Der Schwester von der Sozialstation sagten wir immer öfter ab. Ich lernte, Jono allein aus dem Bett zu helfen, ihm beim Waschen zu assistieren und ihn anzuziehen, ihn am Hosenbund von dem kleinen Zimmerrolli auf den Elektrorollstuhl zu ziehen und später von da auf das Sofa. Auf einmal konnte ich Dinge, die ich mir nie zugetraut hätte. Wenn ich Zweifel hatte, war es Anthony, der mir in seinen selten gewordenen Anrufen Mut machte und praktische Tipps gab, denn er war einmal Sanitäter gewesen.

Wir gestalteten den kleinen Garten neu. Jono hatte Sträucher und Blumen gepflanzt so gut er konnte und sie treu gegossen, aber es gab Ecken, an die er nicht heran kam. Stück für Stück begannen wir, uns ein Paradies zu bauen, mit einem kleinen Teich, der den Himmel spiegelte, mit Bänken und mehr Rosenbögen. Die Bänke waren klein, denn Jono konnte ja nicht mit mir darauf sitzen. Aber er stellte sich daneben, und das ging auch, obwohl die beiden Armlehnen zwischen uns, die der Bank und die vom Rollstuhl, manchmal ein wenig störten.
Anthony schloss zwar nicht aus, uns mal zu besuchen, konnte sich aber nie dazu entschließen. Unsere alte Vertrautheit kam nicht mehr auf. Die Zeiten änderten sich schneller als ich es begreifen konnte, aber es fühlte sich richtig an.

Als die Tage kürzer und die Blätter zu einen Farbenrausch wurden, gingen wir oft auf eine nahe Wiese und ließen einen fröhlich gestreiften Drachen steigen, den Jono mir geschenkt hatte. Für Jono war es schwer, mitten auf die Wiese zu fahren, die holperige Stellen, Dellen, Abhänge und kleine Gräben hatte, die man als Fußgänger gar nicht wahrnahm. Doch am Rande ging es nicht, schließlich befanden wir uns in einer Großstadt. Den Himmel mussten wir uns und dem Drachen erst erkämpfen. Der sollte ja weder in Strommasten noch in Satellitenschüsseln landen. Schließlich hatte Jono einen strategisch günstigen Platz mit Weitblick erobert, stellte den Rollstuhl schräg an einen kleinen Hügel so dass er es schaffte, den Kopf zu heben, und jagte mich gegen den Wind durch das hohe Gras und die späten Pusteblumen bis der Drachen ganz oben war. Dann gab ich Jono die Schnur und er ging so geschickt damit um, dass er fast jeden drohenden Absturz durch einen kleinen Zug verhindern konnte.

Für mich waren das vollkommene Momente. Es war alles voller Himmel: er war so weit und nahe zugleich, als hätten wir durch die scheinbar endlose Schnur, an welcher der Drachen so leicht in unseren Händen flatterte, eine direkte Verbindung zu ihm. Die Tage waren hell und lang und gehörten uns, eine warme Brise flüsterte Geheimnisse ins Schilf, die klare Luft schmeckte nach Glück und Jonos einzigartiges Lächeln galt mir. Mir fiel nichts ein, was ich mir noch hätte wünschen können. Dass Jono neben mir hätte über die Wiese rennen, dass wir uns zusammen ins Spätsommergras hätten legen können? Ja, das wäre undenkbar schön gewesen! Aber es war, wie es war. Und: wären diese Momente so groß und kostbar gewesen, hätten wir sie uns nicht erobern müssen durch das mühsame Aufstehen, Anziehen, den schwierigen Weg?
„Es hat auch seine Vorteile“, sagte Jono, der meine Gedanken erriet.
Während wir noch die Schnur aufwickelten – der Drachen wollte so wenig aus dem inzwischen goldroten Abendhimmel herunter wie unsere Stimmung – kam eine schick gekleidete Dame auf einem Fahrrad holperig über die weite Wiese gefahren, auf der sich außer ihr und uns und einem wilden Kaninchen niemand befand. „Müssen Sie hier so im Weg stehen?“ raunzte sie Jono an. Verblüfft sahen wir ihr nach und brachen dann in schallendes Gelächter aus.
Wie sie die Welt wahrnahm, konnten wir uns nicht ansatzweise vorstellen. Aber eines war sicher: Sie hatte zwar ein gesundes und ansehnliches Paar nylonbestrumpfter Beine, aber wir waren zweifellos glücklicher.

Als die Herbstblätter müde und braun wurden, der kühle Wind dafür stärker, musste ich eine Weile ins Krankenhaus. Jono besuchte mich täglich, obwohl es eine unglaubliche Anstrengung für ihn war. Der Behindertenfahrdienst holte ihn nach einem langen Tag im Büro ab, unterwegs stand er im Stau, und wenn er zuhause vorfuhr, wartete manchmal schon der Bus, der ihn zum Krankenhaus bringen sollte. Dann hatte er keine Zeit, sich auszuruhen, keine, Abendbrot zu essen, und dennoch war er jeden Abend da und machte mir Mut. Als ich entlassen wurde, stand für uns beide fest, dass ich erst einmal bei ihm wohnen würde. Ich nahm ein Taxi. Als ich die Tür öffnete, saß Jono, der Minuten vorher von der Arbeit gekommen war, am Esszimmertisch und hatte gerade mit einem roten Filzstift ein riesiges Herz direkt auf die Holzplatte gemalt und „Herzlich Willkommen!“ hinein geschrieben.
„Bist du verrückt, das geht doch nicht mehr ab!“ lachte ich.
„Na und – soll es ja auch nicht! Außerdem kam ich gerade nicht an das Papier.“ Jono strahlte, und ich hatte mich noch nie irgendwo so willkommen und so zuhause gefühlt.
Das Herz ging tatsächlich nicht ab und entlockte mir und allen Besuchern noch lange ein Lächeln.

Kapitel 4 – Männer im Schuhkarton

Die Obstbäume blühten von einem Tag auf den anderen wie ein Aufatmen. Ich brachte Alina bei, in den Schulhofkirschbaum zu klettern, in dessen weißer, duftender Wolke sie sich leicht fühlte. Später versuchten wir, die Pusteblumen auf der Wiese zu zählen. Vogelküken schlüpften, schrieen nach Futter und wurden flügge. Dann rundeten sich die Erdbeeren dick und duftend und Tim und Benny halfen mir beim Erdbeereismachen. An fast jedem dieser Frühlings- und Frühsommertage bekam ich inzwischen einen Brief von Jonathan, den ich längst wie seine Freunde Jono nannte. Fehlte der Umschlag mit seiner nun schon vertrauten Handschrift, so lag es daran, dass kein Passant vorbeigekommen war, erklärte er mir. Denn Jono schaffte es zwar, mit dem Rolli aus dem Haus und um die Ecke zu kommen, aber er konnte die Arme nicht zum Briefschlitz heben, und so wartete er stets geduldig, bis jemand vorbei kam, der ihm den Brief einwarf.
Jonos Zeilen waren so anders als Anthonys, klar und bodenständig und doch voller Lebensfreude und Wärme. Schnell wurden sie mir zur lieben Gewohnheit, ohne dass ich es so recht bemerkt hatte. Ihm zu schreiben war erholsam, bei Anthony kostete es bei aller Freude auch Kraft.

Anthony fragte oft nach Jono, wollte erst alles über ihn wissen, freute sich sogar über die (rein äußerliche) Ähnlichkeit; dann wurden seine eigenen Briefe und Anrufe seltener.
Nach einiger Zeit ergriff Jono die Initiative und rief mich an. Von da an immer öfter und schließlich jeden Abend.
Wenn ich nachts Anthony am Hörer gehabt hatte, lag ich meist lange wach und grübelte. Seine Gedanken ballten sich zu wirren Knäueln in meinen eigenen und forderten Fortsetzung. Nach einer Unterhaltung mit Jono hingegen schlief ich traumlos und seltsam geborgen, wie vor einer Ewigkeit nach dem Sandmännchen im Fernsehen. Wenn Jono mir eine gute Nacht wünschte, dann wurde sie auch gut.
Ich nahm das alles zunächst hin ohne viel darüber nachzudenken, denn ich hatte beruflich viel zu tun. Jono schlich sich währenddessen auf seine hartnäckige Weise unmerklich in meine Welt und Anthony stahl sich ebenso kaum spürbar nicht nur aus meinem sondern aus allem Leben. Als mir das endlich auffiel, fühlte es sich an wie eine stille Übergabe, so, als denke er, er könne nun gehen, da er mich in guten Händen wisse. Ich verdrängte den Gedanken. Doch Anthony beschleunigte seinen Abschied selbst. Er hüllte seine Selbstzweifel in dichte Rauchschwaden unzähliger Zigaretten und löste seine Angst und sein Bedauern in einem gnädig schimmernden Meer aus Whisky. Hätte er den Mut zu einer Beziehung gehabt, wäre ich möglicherweise am Ende mit ihm untergegangen. Oder hatte er genau das befürchtet und deswegen von vornherein eine Grenze gezogen? Manche hielten ihn für einen Egoisten und Egozentriker, und das war er auch oft. Aber in dieser Sache bin ich mir bis heute nicht sicher.
Ich hatte Anthonys Briefe von Anfang an aufgehoben und gebunden. In meinem Bücherregal wohnen mehrere Bände mit seiner fließenden Handschrift und Zeichnungen. Er seinerseits verbrannte stets nach dem Lesen alle Schriftstücke die er von irgendwem bekam. Es war immer, als verwische er ständig alle Spuren, als wollte er nicht, dass sich in seinem Dasein etwas ansammelte.

An dem Tag, an dem Jono in einen Brief die erste Blüte des Schmetterlingsstrauches aus seinem Garten legte, wusste ich, dass wir zueinander passten und er etwas Besonderes war. „Es war das Schmetterlingsloch in deinem Brief – daher habe ich dir geantwortet und nicht den anderen“, gestand er mir bei der Gelegenheit. Seltsam, was für kleine Dinge das Schicksal ändern können. Was, wenn ich diesen Locher nicht geschenkt bekommen hätte? Wenn damals jemand anderer meinen Namen beim Julklapp aus der Lostrommel gezogen hätte, jemand der Kerzen oder Kekse verschenkt?
Irgendwann wünschte sich Jono ein Treffen. Ich hatte über die Möglichkeit einer Beziehung immer noch nicht wirklich nachgedacht. War ich Anthony zu ähnlich? Fehlte mir etwa auch der Mut? Wenn, dann war der Rollstuhl nicht der Grund. Schließlich versprach ich Jono, ihn zu besuchen, nach Abschluss meiner bevorstehenden zehntägigen Fortbildung. Vorher hatte ich beim besten Willen keine Zeit.
Meine Freundin Tina schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Bist du verrückt geworden? Wie kann man nur so naiv sein? Du kannst doch nicht zu einem wildfremden Mann in die Wohnung spazieren!“
Mit Tina hatte ich außer dem Beruf wenig gemeinsam. Ich trug gern alte Jeans und Sweatshirt, sie am liebsten Ballkleider. Wiesen und Bäume waren ihr kaum ein Begriff, eher Kunst und Antiquitäten. Aber mit Männern kannte sie sich aus, auch wenn oder weil sie in dieser Hinsicht von einer Katastrophe in die nächste schlitterte.
„Aber dieser Mann sitzt im Rollstuhl und kann die Arme nicht mal zum Briefschlitz heben“, protestierte ich. „Er kann mir wohl kaum gefährlich werden!“
„Der kann dir viel erzählen“, meinte Tina düster, „woher willst du wissen, ob das alles stimmt?“
Ich zweifelte an nichts, was Jono mir erzählt hatte. Aber schließlich bat ich ihn darum, ob wir uns woanders treffen könnten.
„Kein Problem“, stimmte er sofort zu. „Wie wäre es mit dem Zoo? Da war ich schon ewig nicht mehr.“
Ich auch nicht, und so verabredeten wir uns für den neunten Juli am Zooeingang, einen Tag nach Ende meiner Fortbildung.

Während des Kurses war ich vollauf beschäftigt und fand keine Zeit mir über Anthony, Jono oder nötigen Mut den Kopf zu zerbrechen. Am letzten Tag machte der Kursleiter mit uns zum Abschluss einen Ausflug in den Park, mit Picknick. Zum Ausklang hatte er noch eine Überraschung. Er häufte einen Berg Schuhkartons und Scheren in unsere Mitte und mehrere Körbe mit Bastelmaterial. Da fanden sich Samt- und Glitzerstoffe, Perlen und Steine, Filz und Lederreste, Watte und Stöcke.
„So“, sagte er, „Nun schneidet Ihr Löcher in die Kartons, vorne lasst ihr eins offen und die anderen überklebt ihr mit Transparentpapier eurer Wahl. Dann füllt ihr den Karton mit Dingen, deren Farbe, Form oder Beschaffenheit euch anspricht und ordnet sie an, wie es euch gefällt. Zum Schluss klebt ihr den Deckel obendrauf, und dann hebt ihr sie gegen die Sonne und schaut hinein.“
„Wozu soll das ganze gut sein?“ erkundigte sich einer der ewigen Zweifler. „Was sollen wir da sehen?“
„Wie es in euch aussieht, zum Beispiel. Man erlebt so manche Überraschung. Und außerdem macht es Spaß.“
Wir lagerten also gemütlich auf dem Sommergras und wühlten in unordentlichen Haufen und Assoziationen. Es machte tatsächlich Spaß. „Ich kann mich nicht entscheiden“ sagte eine der stets unentschlossenen, „kann ich auch zwei Kartons machen?“
Ich habe eine große Schwäche für kuriose Dinge. Am Ende füllte auch ich zwei Kartons. Als ich den einen in das schräg abendgoldene Licht hielt, sah ich eine ganz eigene Welt darin, wie aus einem dieser Träume, den man morgens noch verschwommen im Gedächtnis hat und dann prompt vergisst bis auf das vage Gefühl, etwas verloren zu haben. Blau und kühl war es darin, wie unter Wasser. Dunkler Samt mit ein paar glitzernden Sternen lag in einer Ecke, ein grünes Netz und krumme Äste wie Treibholz, ein paar ausgeblichene Zeitungsschnipsel, glatte graue Kieselsteine, ein Schneckenhaus und ein kreisrunder Radiergummi mit einer abgenutzten Ecke; eine Sanduhr. Außerdem ein Bleistiftstummel und ein halbleerer Farbnapf aus einem Tuschkasten.
Anthony, dachte ich. So ist es mit Anthony.

Im anderen Kasten entdeckte ich etwas ganz anderes. Hell war es darin, und warm, denn das Transparentpapier warf gelbes, grünliches und orangenes Licht hinein wie eben an einem warmen Abend kurz vor Sonnenuntergang. Klar war alles darin, und wirklich. Sand und weiße Muscheln, ein gelbes Stück Seide, ein Keks, duftende Grasbüschel, Gänseblümchen, ein Schmetterlingsflügel, ein CD-Cover mit Noten darauf im Hintergrund. Ein paar Fäden Lametta warfen ein Glitzern in den kleinen Raum.
Jono, dachte ich. So ist Jono.
„Und? Welcher gefällt dir besser?“ fragte der Kursleiter und hockte sich neben mich.
Darum geht es nicht, dachte ich. Darum nicht.
Einige begannen, sich zu verabschieden und aufzubrechen. Während ein paar andere noch eine Flasche Wein öffneten, spähte ich noch immer in die Kästen. Es war faszinierend, wie sich mit der sinkendem Sonne und dann der beginnenden Dämmerung das Licht darin änderte und die Bilder. Die Schatten auch. Und ich hatte das unheimliche Gefühl, dass ich im Begriff war, mich mit ihnen zu ändern.
„Suchst du was Bestimmtes?“ fragte mich Sonja, mit der ich mich ein wenig angefreundet hatte.
„Ja“, sagte ich. „Den Mut, morgen in den Zoo zu gehen.“

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Kapitel 3 – Fragen und Antworten

Mit dem Montag änderte sich das Wetter. Der Frühling brach als grüne Welle über uns herein. Die Kinder explodierten ebenso wie die Bäume und Beete förmlich vor Lebendigkeit . Es wurde eine turbulente Woche. Die Aufbruchsstimmung der Natur fuhr ihnen in die Füße und ins Lachen; sie waren ständig am Kichern und konnten nicht stillsitzen. Alina ging es so viel besser, dass sie ihre Krankheit nun auch gelegentlich vorschob. Sie täuschte Kopfschmerzen vor um hinauszudürfen. Es fiel mir schwer, streng zu bleiben, denn mich lockte die weiche Luft draußen ebenso sehr. Tim und Benny, meine ohnehin hyperaktiven Nachmittagskinder, konnten sich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Schließlich gingen wir nach draußen und schrieben die Vokabeln in den Sand und mit Kreide auf den Hof.

Die Mittel für Alinas Förderung wurden gekürzt da es ihr besser ging und ich musste um einen neuen Vertrag kämpfen, wenigstens bis zu den Sommerferien. Ganz allein konnte sie die Schultage und den Stoff noch längst nicht bewältigen.
Zuhause fegte ich den Winterschmutz vom Balkon und bepflanzte die Kästen mit Stiefmütterchen und Kürbissamen. Anthony rief weiterhin jeden Abend an. Der Frühling schien auch ihm gut zu tun, er malte wieder Bilder und schickte mir alberne Zeichnungen und lehrreiche Zeitungsausschnitte.
Einmal schenkte er mir eine bunte, für seine Verhältnisse ungewöhnlich heitere Zeichnung. „Fias Garten“ stand auf einem Wegweiser, der auf einen geschwungenen Torbogen deutete, an dem blaue Trichterblüten rankten. Obendrauf saß ein bunter Phantasievogel und sah mir direkt ins Auge. Links stand ein alter Baum mit gefurchter Rinde und einem dicken Stamm, der sich schützend über einen kleinen Hof mit steinernen Fliesen neigte. Vor dem Tor standen meine weißen Sandalen. Hinter dem Tor erstreckte sich ein grüner Rasen mit Blumenbeeten und einem weiteren Baum. Rechts vom Tor wuchsen Sonnenblumen und ein blühender Strauch.
Ich hatte Anthony einmal erzählt, dass ich mir einen kleinen Garten wünschte. Aber nicht, wie ich ihn mir vorstellte.
Dieser passte genau. Ich rahmte das Bild und hängte es neben meinen Schreibtisch.

Am Samstag lag zwischen den Rechnungen, einer Postkarte von Tante Anna und einem dicken Anthony-Brief ein Kuvert mit einer fremden Handschrift. „Jonathan Reimer“ lautete der Absender. Wer das wohl war?
Den Rollstuhlmann hatte ich vollkommen vergessen. Und nun hatte er mir geantwortet! Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Für mich war die Sache eigentlich erledigt. Als ich die Seite auseinander faltete, fiel mir ein Foto in die Hand. Ein Schnappschuss von einem ernst aber sympathisch blickenden Mann in einem Rollstuhl, der im jungen Gras neben einer kleinen Tanne stand. Er hatte den Kopf in die Hand gestützt und sah mit sehr blauen Augen nachdenklich in die Kamera.
Eigentlich mag ich dunkelbraune Augen, aber diese blauen sah ich mir eine Weile an, bevor ich den kurzen Brief las, der in einer ordentlichen, aber durchaus lebendigen Handschrift abgefasst war. Allzu gestochene Handschriften die aussehen wie gedruckt, ein Buchstabe wie der andere, kann ich nicht leiden. Eine Schrift muss fließen, muss leben, muss tanzen. Diese tat es.
Auf die Sache mit dem Mut ging er nicht ein, aber er beantwortete meine Frage was der Grund für den Rollstuhl sei. Eine Muskelkrankheit, von seinem Vater geerbt. Aber auch er hatte Fragen. Wie groß ich sei? Und ob ich Kinder wolle?
In mir stieg Abwehr hoch; das war mir zu direkt. Und wieso Kinder? Hier unterhielten sich zwei Fremde, ich hatte eigentlich auch vor, dass wir uns fremd bleiben würden – und er fragte, ob ich Kinder wollte?
Aber das Gefühl verflog schnell. Ich hatte auf seine Kontaktanzeige geantwortet, warum auch immer. Wenn er da die falschen Schlüsse zog, konnte man es ihm kaum übel nehmen. Und seine Fragen machten Sinn. Ich konnte mir vorstellen, dass man als Rollstuhlfahrer nicht unbedingt mit einer Zweimeterfrau unterwegs sein möchte. Da hätte er ja ein Megaphon gebraucht, um sich zu unterhalten. Und Kinder? Er hatte eine Erbkrankheit, da war es verständlich, dass er eine Frau mit Kinderwunsch nicht brauchen konnte. Eigentlich war es sehr anständig und praktisch von ihm, eine so grundlegende Angelegenheit zuallererst zu klären. Das imponierte mir schon wieder.
Außerdem schrieb ich gerne Briefe. Das lag natürlich an Anthony. Also schrieb ich dem Rollstuhlmann eben noch mal. Dass ich nur einsfünfundsechzig bin. Und dass ich keine Kinder bekommen kann. Seltsam, wie einfach es war, das einem Fremden zu sagen. Mir machte das nichts aus, ich hatte immer schon so viel mit Kindern zu tun gehabt, dass ich nichts vermisste. Aber ich hatte eigentlich noch nie mit jemandem darüber gesprochen. Um ein Foto bat er auch. Da ich gerade neue Passfotos hatte machen lassen müssen, brauchte ich das nur aus der Schublade zu fischen.

An Anthony schrieb ich natürlich auch, wie fast jeden Tag. Bei ihm wurden es wesentlich mehr Seiten. Aber bei aller Fröhlichkeit in unserem Briefwechsel lag doch auch eine Traurigkeit zwischen den Zeilen und eine versteckte Schwere in den Sätzen. Mir fiel auf, dass das Schreiben an den unbekannten Jonathan Reimer eine erholsame Leichtigkeit gehabt hatte.
Die beiden Briefe waren ein schöner Grund, noch einmal in den Frühlingsabend hinauszugehen. Am Himmel flog schweigend und gewaltig der gute alte Schwan. Ich fragte mich, was er wohl zu meinen merkwürdigen Briefbeziehungen sagen würde. Irgendwie beruhigend, dass das alles für ihn völlig unbedeutend war.

Das Foto von Jonathan Reimer blieb auf dem Schreibtisch liegen und rutschte in den Poststapel. Tage später fand es Benny, der auf der Suche nach Ablenkung während der Nachhilfestunden ständig in meinen Sachen herumwühlte. Kritisch betrachtete er es und lief dann zum Kühlschrank, an dessen Tür ein kleines Bild von Anthony geklebt war. „Wieso sitzt derselbe Mann mal im Rollstuhl und mal nicht?“ fragte er.
„Wieso derselbe Mann? Das ist ein anderer,“ sagte ich irritiert.
„Nee. Der sieht doch genauso aus!“
Ich nahm ihm das Foto aus der Hand und hielt es neben das Kühlschrankfoto. Erstaunt kniff ich die Augen zusammen. Tatsächlich, da war eine Ähnlichkeit! Beide Männer hatten denselben Bart, einen fast gleichen Haarschnitt – nun gut, bei Männern gibt es da nicht so viele Varianten, aber – auch die Statur war ähnlich und die Nasen und noch etwas Ungreifbares. Nur die Augen: beide hatten blaue, aber in Jonathan Reimers war der Frühlingshimmel unterwegs während sich in Anthonys schon seit ich ihn kannte rauchgraue Schatten herumtrieben.
Doch die beiden hätten auf jeden Fall Brüder sein können. Zwillinge vielleicht nicht, aber Brüder.
Seltsam. Beinahe unheimlich.

Kapitel 1 – Die Anzeige

Eine wintermüde Mücke mit Hunger auf Frühling war der Anfang davon, dass sich mein Leben auf einen neuen Weg machte.
„He! Mach sie wieder dran!“, rief Alina empört.
Wir spielten auf dem Schulhof im Sandkasten und ich hatte die Mücke von ihrem kleinen Arm verjagt. Ein Reflex. Aber mit ihren neun Jahren sah Alina die Mücke nicht als böses Wesen an, das ihr etwas wegnehmen wollte. Über späteres Jucken dachte sie nicht nach: nicht in diesem sonnigen Frühlingsmoment, in dem sich ein Besucher mit glänzenden Flügeln vertrauensvoll auf ihrer Haut niedergelassen hatte. Sie hatte nicht viele Freunde.
Aber die Mücke war, noch kälteträge, in den silberblauen Himmel geflogen.

Im letzten Jahr war Alina schwer krank gewesen, und nun war sie noch angeschlagen und eben ein wenig anders. Ich betreute sie als Schulhelferin und ging mit ihr in den Unterricht um ihr beizustehen wenn es ihr nicht gut ging oder sie etwas nicht verstand. Wenn die anderen Sport trieben, spielten wir unsere eigenen Spiele oder machten Hausaufgaben. Ich war zwanzig Jahre älter und hatte einen Abschluss in Pädagogik, aber manchmal fragte ich mich, wer wem mehr beibrachte. Sie hatte gelegentlich eine ungewöhnliche Art, die Dinge zu betrachten.
Mücken zumindest würde ich in Zukunft anders sehen.

Alina war mein Vormittagskind. Nachmittags gab ich Tim und Benny aus einer anderen Schule Nachhilfe. An diesem Freitag hatte ich noch eine Lehrerkonferenz, und als ich endlich auf dem Heimweg war, dämmerte es schon. Das ist meine liebste Tageszeit: wenn die Luft seltsam still und glasklar wird und die ersten Lampen aufblinzeln. Der April war voller Frühlingsversprechen. Die Amseln ließen Abendtöne aus den Baumsilhouetten rieseln und es duftete nach Veilchen. Mich erfüllte das unbestimmte Gefühl, es könnte ein bedeutsamer Sommer werden. Aber war das nicht immer so im Frühling?
Nein. Irgendetwas lag in der Luft, da war ich mir sicher. Ahnungen trieben sich mit dem aufkommenden weichen Abendnebel herum. Es war wie ein Flüstern in der Welt: der Wind, die Schritte der Vorübergehenden, mein eigener Atem, alles schien mir etwas sagen zu wollen. Aber möglicherweise wünschte ich mir auch nur, dass sich etwas änderte. Dieser Sommer würde meinen dreißigsten Geburtstag enthalten. Ein guter Zeitpunkt für neue Wege; vielleicht sogar ein überfälliger.

Die alte Frau Zepke aus der Nachbarwohnung hatte wieder einmal ihren Papierkorb vor der Tür vergessen. Oben drin steckte die Tageszeitung. Ich nahm sie mit, wegen dem Anzeigenteil. Ich brauchte dringend mehr Nachhilfeschüler!
Bei einem Tee blätterte ich die Zeitung durch. Nachhilfe wurde nur in Mathematik gesucht. Die hätte ich selbst nötig gehabt. Ich wollte die Seiten schon zusammenfalten, da fiel mir, zwischen eine Werbung für eine Fahrschule und eine für ein Beerdigungsinstitut gequetscht, eine kleine, unscheinbare Kontaktanzeige ins Auge:
„Ich bin Rollstuhlfahrer. Wenn du Mut hast, melde dich!“ Ein fünfundvierzigjähriger Mann, der nicht länger allein sein wollte; es standen noch ein paar andere, nicht weiter außergewöhnliche Worte dabei, aber dieser Satz war es, der mir ungewollt im Gedächtnis blieb. Ich warf die Zeitung weg, kehrte die Krümel vom Tisch, die Apfelsinenschalen vom Küchenbrett und kippte beides obendrauf, saugte Staub, räumte meinen Schreibtisch auf und sah die Post durch. Die ganze Zeit flatterte der Satz in meinem Kopf herum wie ein unruhiger Käfigvogel, was mich irritierte. Schließlich las ich normalerweise keine Kontaktanzeigen. Anthony genügte mir momentan voll und ganz, auch wenn das keine Zukunft hatte. Für uns galt eine ganz besondere Gegenwart, die zählte.
Doch selbst beim Abendbrot war mir, als kaute ich auf diesem Satz herum. Mut! Zum Lieben ist Mut immer eine Voraussetzung. Aber wieso sollte man mehr Mut brauchen, um einen Rollstuhlfahrer zu lieben? Ich war nicht nur irritiert, ich ärgerte mich, ohne zu wissen warum. Selbst nach einer heißen Dusche und den Fernsehnachrichten fand ich keine Ruhe. Mein Ärger hatte sich mittlerweile in meinem Bauch zu einer festen kleinen Wut geballt. Ja, das ging soweit, dass ich mir einbildete, eine deutliche Stimme zu hören: „Schreib ihm das!“ Ich hatte noch nie Stimmen gehört, und Fieber hatte ich auch nicht. Irgendwas musste ich unternehmen. Kopfschüttelnd grub ich die Zeitung aus dem Papierkorb. Sie war matschig und roch nach Apfelsinen und Kaffeesatz. Fast hätte ich die kleine Anzeige nicht wiedergefunden, doch schließlich entzifferte ich die Chiffre, notierte sie auf einen Briefumschlag und setzte mich leise schimpfend wieder an den Schreibtisch. Normalerweise wäre mir nicht im Traum eingefallen, auf eine Kontaktanzeige zu antworten. Ich genierte mich vor mir selbst und war schon fast wieder auf dem Weg zum Papierkorb, als mir Alina und die Mücke einfielen. Vielleicht musste auch ich einfach mal umdenken: nicht mit einem Reflex alles verscheuchen, was mich irritierte, sondern erst näher betrachten, was mich da angeflogen hatte.

Also schrieb ich ein paar deutliche Zeilen auf einen schmucklosen Notizzettel: dass ich es als eine Unterstellung betrachtete, dass man mehr Mut für eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer bräuchte als für eine mit einem Mann mit zwei gebrauchsfähigen Beinen. Damit es nicht ganz so schroff klang, fügte ich noch ein, zwei Sätze über mich an. Beim Suchen nach einer Briefmarke fiel mir ein Locher in die Hand, den ich zu Weihnachten bekommen hatte. Mit ihm konnte man schmetterlingsförmige Löcher stanzen. Ich hatte ihn noch nie ausprobiert, aber nun stanzte ich, einem Impuls folgend, ein solches Loch in den Briefumschlag. Als ich meinen Zettel hineinsteckte, lugte das Wort „Mut“ hindurch. Ich hoffte, die deutsche Post würde das durchgehen lassen.
Erst legte ich den Brief in den Flur. Morgen auf dem Weg zur Arbeit kam ich sowieso am Briefkasten vorbei. Aber dann überlegte ich es mir anders. Ich brauchte dringend noch einmal frische Luft, und es waren ja nur ein paar hundert Meter. In dem Moment, als ich das Kuvert in den Kasten plumpsen hörte, ging es mir besser. In meinem Bauch stiftete kein Ärger mehr Unruhe sondern Appetit auf ein Brötchen mit Quittengelee. Und in meinem Kopf war die Stimme verstummt. Ich hörte sie übrigens nie wieder.

Auf dem Rückweg entdeckte ich das Sternbild Schwan zum ersten Mal in diesem Jahr, gerade über dem Horizont. Der Schwan ist ein Sommersternbild. Als kleines Mädchen war er das erste, das ich mir merken konnte. Der Schwan wurde zu meinem Glücksbringer, meinem himmlischen Freund; es beruhigte mich, wenn ich ihn mit seinen ausgebreiteten Flügeln da oben schweigend in dem erschreckend weiten, schwarzen Himmel fliegen sah. Zwanzig Jahre später mochte ich ihn immer noch. Schön, dass er wieder da war. Das musste ich unbedingt Anthony erzählen.
Denn ich wusste nicht, wie lange ich Anthony überhaupt noch etwas würde erzählen können.